Eine kleine Berufungsgeschichte

Ich hatte an einem Besinnungswochenende im Advent teilgenommen und plötzlich stand die Frage vor mir: "Warum gehst du nicht ins Kloster?" 
Zuerst mußte ich darüber lachen. Andere waren viel frommer, konnten sicher besser und regelmäßiger beten, waren kirchlich interessierter und geeigneter. Außerdem hatte ich meine Freiheit (was ich damals unter Freiheit verstand war etwas anderes als was ich heute darunter verstehe). Ich hatte meine Arbeit, mein Einkommen, mein Auto, konnte kommen und gehen wohin ich wollte usw. Ich war damals 18 Jahre alt und es war eine unruhige Zeit, bis ich 3 Jahre später eingetreten bin.

Vieles sprach dagegen, auch der Gedanke: "… ein Leben lang."

In diesen drei Jahren gab es Zeiten des Suchens und Fragens, aber auch Zeiten, wo die Frage sehr weit weg war. Immer wenn ich im Stillen ein "Nein" sagte, wurde die Unruhe größer und nichts was ich tat gab mir Zufriedenheit oder innere Ruhe. Manchmal war ich so wütend über mich, weil ich keine Entscheidung treffen konnte oder wollte, dass Kolleginnen schon mal tief durchatmen mussten, weil keiner wusste was eigentlich mit mir los war.

Die Berufung radikaler zu leben hat mich nicht losgelassen.

Ich habe in den drei Jahren zweimal "Kloster auf Zeit" mitgemacht und eigentlich war die Entscheidung schon nach der ersten Woche gefallen. Die zweite Woche war ein halbes Jahr später und es blieb bei einem "Ja".

Warum gerade die Vinzentinerinnen?

Der hl. Vinzenz von Paul hat mich unheimlich fasziniert und er tut es auch heute noch. Seine Art, den Menschen zu helfen, seine Ausstrahlung ist einfach anziehend. Hinzu kam, dass ich bei den Vinzentinerinnen auch genauer hinschaute, wie sie lebten und miteinander umgingen.


Zu sehen und zu spüren, jede bringt sich so mit wie sie ist. Dass sie Mensch und menschlich geblieben sind und dennoch, trotz der Verschiedenheit auf ein gemeinsames Ziel zugehen, war schon so, dass ich mir sagte, dass ich da wohl so angenommen werde wie ich bin.

Wie haben Familie und Freunde reagiert?

"Du machst dir das Leben leicht, du gehst ins Kloster!"

Es war nicht leicht, es zu Hause und im Bekanntenkreis zu sagen. So richtig konnte es keiner verstehen und wer geht denn heute schon noch ins Kloster? Das war die allgemeine Rückmeldung im Umfeld.

Meine Geschwister haben ein Jahr gebraucht und ich denke ihr "Ja" kam erst, als ich das blaue Kleid einer Vinzentinerin trug.

Heute bin ich 19 Jahre bei den Vinzentinerinnen und 18 Jahre Schwester. Es war eine abenteuerliche Zeit und oft sage ich, wenn ich gefragt werde wieso und warum: "Wer sich auf den Ruf Gottes einlässt, der steht am Anfang eines großen Abenteuers."

Für mich ist es eine Herausforderung, jeden Tag neu.

Oft bin ich in dieser Zeit vor Aufgaben gestellt worden, die ich mir nicht zugetraut hätte, aber ich bin nie alleine gewesen und ich bin davon überzeugt, dass Gott alle Wege mit mir gegangen ist.

Er hat mich in den 18 Jahren verändert. Menschliche Ecken abgeschlagen, Verborgenes hervorgeholt, Schwachstellen gezeigt und er hat eine Geduld mitgebracht, die nicht mit menschlichem Maß gemessen werden kann.

Ein Weg auch für Dich?